Ich streife gerade so durch die Straßen am Stadtrand – bis
ich am Ende der Gasse aufmerksam
werde. Da, schon wieder diese Töle
vom Kaufmann Schulz! Die letzte Begegnung
habe ich schmerzlich in Erinnerung, alles tut mir
noch weh, als mich dieser furchtbare
Köter mit seinen spitzen Zähnen
durch die ganze Stadt gejagt hat. Meine armen Gelenke und
Knochen, das habe ich wirklich nicht verdient,
wittere
jetzt schon den widerlichen Geruch des
großen Zotteltieres, welches der Kaufmann
zur Warenwache gekauft hat.
Und wieder hat er es auf mich abgesehen, statt auf die
Langfinger vom Hafen, die schon manche
Kiste mitgenommen haben! Aber diesmal nicht,
diesmal bin ich schneller. Bevor der
übergroße Flohbeutel mir auch nur zu nahe kommt,
springe ich auf einen vorbeifahrenden
Wagen, der in Richtung des Marktes ins
Stadtzentrum fährt. Ha, ausgetrickst, ich sehe
noch, wie der blöde Hund mir
ungläubig nachsieht,
während ich ihm entkommen bin. Aber sicher bin ich noch nicht, der
Fahrer darf mich nicht entdecken – weshalb ich,
kaum auf dem Platz angekommen, schnell aus dem ratternden
Karren springe.
Oh, hier riecht es aber gut. Ich hebe
meine Nase in die Luft, wittere den
Geruch frisch gefangenen Fisches, welcher der hiesige
Fischer Welsch neben dem Makrelen- und
Langustenstand entlädt. Helfer entladen die Kisten – und ich
schleiche mich an das Geschehen, hoffe darauf, dass der grimmig
schauende Fischer nur einmal nicht genau aufpasst, und ich ihm
etwas von seinem Fang stibitzen kann. Aber schade, er passt
viel zu gut auf, wie einer der reichen Kaufleute auf seine
Goldmünzen! Nicht einmal eine Sardine
fällt ihm zu Boden, was für ein Geizhals. Ich habe doch
Hunger, und er ist nicht einmal so warmherzig, mir nur
etwas seiner Fracht zu geben, was für ein
undankbarer Kerl! Und dabei knurrt doch
mein Magen zu schrecklich, ich habe bestimmt schon
seit heute Morgen nichts mehr gegessen –
und das auch nur, weil ich bei der
Weberei bei meinen Mauselöchern Glück hatte.
Vielleicht hilft es ja, wenn ich dem Jungen,
der am Fischstand seinem Vater zur
Hand geht, um die Beine streife und ihn
lieb anmauze? Ja,
vielleicht hat er ja Mitleid mit einer
armen, hungrigen Katze, und schenkt
mir einen von den köstlich riechenden Fischen! Ich schleiche mich
also auf samtenen Pfoten an, versuche mich so
friedlich und charismatisch wie möglich
zu halten, meinen wehmütigsten und
hilflosesten Blick aufzusetzen, nur, damit ich dieses eine Mal
nicht leer ausgehe. Doch
bevor ich auch nur in die Nähe des
Jungen komme, entdeckt mich sein grantiger Vater, und ehe ich mich
versehe, versetzt er mir einen Tritt,
flucht dabei wie ein zorniger Seebär.